Insektenschutz

Warum haben wir eigentlich ein Sandarium auf unserer Blühfläche  gebaut? und Was ist ein Sandarium?

Die Wildbienen und andere Insekten sind u.a. durch den Rückgang des Nahrungsangebot (z.B. Blüten) und Kleinstrukturen als Nistplatzangebot in unserer Landschaft gefährdet. Die unterschiedlichen Arten der Wildbienen  sind neben anderen Insekten für die Bestäubung der Wild- und Kulturpflanzen unverzichtbar. Sie tragen damit zur Biodiversität, Ökosystemstabilität und Nahrungsmittelproduktion bei. Deshalb sind Maßnahmen zur Förderung und Erhaltung der Wildbienen und anderer Insekten wichtig - auch in unserem eigenen Interesse.

Wie immer stellt sich die Frage: Was kann ich/können wir beitragen?

Natürlich ist der Erhalt und die Verbesserung wildbienenreicher Landschaften und Lebensräume der sinnvollste, effektivste und wichtigste Weg zum Schutz einer artenreichen Wildbienenfauna. Grundsätzlich trägt aber jede Verbesserung des Nahrungs- und Nistplatzangebots zur Förderung und zum Schutz der Wildbienen bei. Der räumliche Abstand von Nistplatz und Nahrungsquelle (Nahrungshabitat) sollte nicht größer als  200 m bis 300 m sein. Dies entspricht den zurückgelegten Flugdistanzen zwischen Nistplatz und Nahrungsquelle (Nahrungshabitat) der meisten Wildbienenarten. 

 

Auch in unseren Gärten, auf unseren Balkonen und auf den Grünflächen unserer Stadt kann die Verbesserung des Nahrungs- und Nistplatzangebots von großer Bedeutung für die Insekten sein.

 

Die unterschiedlichen Wildbienenarten haben sehr unterschiedliche Ansprüche an die Nahrung und den Nistplatz. Um eine große Vielfalt an verschieden Wildbienenarten zu unterstützen, ist ein Angebot an verschieden Blüten und Kleinstrukturen wichtig. Das Angebot an Blüten sollte durchgehend vom Frühjahr bis in den Herbst hinein bestehen. Diese Maßnahmen kommen auch anderen Insekten zu Gute.


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"Wildbienenschutz – von der Wissenschaft zur Praxis" (2012) von  Antonia Zurbuchen/Andreas Müller

ISBN 978-3-258-07722-2



Was ist ein Sandarium?

Ein Sandarium ist ein künstlich angelegter Lebensraum für bodennistende Insekten

(Wildbienen, Grab- und Wegwespen).

Die verschiedenen Wildbienenarten haben sehr unterschiedliche Vorlieben für ihre Kinderstube. Es gibt Wildbienen, die ihre Nester in Fraßgängen von Käfern oder in Blütenstängeln mit Mark oder aber ohne Mark bauen. Für sie sind die bekannten Insektenhotels, die oberirdisch aufgestellt werden, gedacht.
Einige Arten nutzen leere Schneckenhäuser oder bauen ihre Nester frei an Fels- und Pflanzenstrukturen.
Die überwiegende Anzahl der Wildbienenarten bevorzugen aber die Erde als Brutplatz. Hier werden horizontale Fläche aber auch Steilwände genutzt. Als Substrat kommen Sand, Löss, Lehm und gemischte Substrate in Frage. Die Stabilität des Bodens ist wichtig, damit die Bienen Brutröhren graben können und die Brutzelle nicht einbrechen. Viele Bienenarten bevorzugen offene Bodenflächen mit geringem Pflanzenbewuchs in sonniger Lage. Es gibt aber auch Arten, die auf bewachsenem Boden ihre Nester graben.
Von vielen Arten kennt man die Nistgewohnheiten aber auch noch nicht.

Da die Wildbienen sehr hohe Qualitätsansprüche an ihr Nestsubstrat stellen, ist nicht unbedingt gewährleistet, das künstlich angelegte Nisthilfen angenommen werden. Einen Versuch ist es trotzdem Wert.

Auf der Blühfläche am Bahnhof in Bersenbrück

Das Sandarium haben wir als Hochbeet angelegt.

Grundsätzlich kann man das Sandarium auch im Boden anlegen. Auf Sandböden braucht man nur eine geschützte, sonnige Fläche von Bewuchs freihalten. Hier eignen sich auch Flächen unter dem Dachvorsprung oder unter Balkonen. Sie müssen am besten den ganzen Tag besonnt sein.

Wichtig! Bei der Auswahl der Projekte zur Förderung und zum Schutz von Insekten u.a. sollte man immer die natürlichen Gegebenheiten im Blick haben, da sie das Vorkommen und die Zusammensetzung von Pflanzen - und Tiergemeinschaften bestimmen. Ein Beispiel: In Regionen mit lehmigen Böden wird man sehr wahrscheinlich keine Arten finden, die sandige Böden für ihre Nester benötigen. Hier ist es also wenig sinnvoll, ein Sandarium anzulegen.

Außerdem! Ohne genügend Angebot an Blühpflanzen können die Wildbienen die benötigte Menge an Pollen für die Aufzucht der Brut nicht sammeln. Deshalb sollten im Umkreis von 200 bis 300 m zum Nistplatz genügend Blühpflanzen als Futterquelle vorhanden sein. Hier haben Gärten und öffentliche Grünflächen ein großes Potenzial. Wichtig sind heimische Blühpflanzen. Bei nichtheimische Pflanzen hängt es von der Pflanzenfamilie  zu der sie gehören ab, ob sie von den Wildbienen als Futterpflanzen genutzt werden können. Wenn sie zu einer Pflanzenfamilie hier vorkommender einheimischer Pflanzenarten gehören, werden sie teilweise von den Wildbienen angenommen.

Der Aufbau der Nester der unterschiedlichen Wildbienenarten ist artspezifisch. Es gibt aber einige grundlegende Gemeinsamkeiten:
  • Grundelement der Nester ist die Brutzelle
  • meist mehrere Brutzellen pro Nest, die durch eine Trennwand voneinander abgegrenzt sind
  • Material für die Trennwände: Erde, zerkautes Blattmaterial, Laub - und Blütenblattstücke, Pflanzenhaare, Harz, Mark- und Holzpartikel, Drüsensekret
  • zum Schutz vor Feuchtigkeit, Austrocknung, Pilzen und Bakterein wird die Brutzelle mit Drüsensekreten und Fremdmaterial ausgekleidet.
  • die weibl. Wildbiene legt Pollen und Nektar in jede Brutzelle; dies ist der Nahrungsvorrat für die gesamte Entwicklung der Wildbiene
  • die weibl. Wildbiene legt auf diesen Larvenvorrat ein Ei und verschließt die Brutzelle
  • Die Nester reichen unterschiedlich tief in den Boden
  • die meisten Wildbienenarten bilden nur eine  Generation im Jahr. Die Bienen schlüpfen  erst im nächsten Jahr.
  • Die unterschiedlichen Wildbienenarten sind meist nur für einen kurzen Zeitraum (einige Wochen) im Jahr als ausgewachsene Bienen in der Natur aktiv. Die Flugzeiten der einzelnen Arten können Sie im Flugzeitenkalender für Wildbienen nachlesen.


Beispiel einer Bauweise eines Brutnestes